Tebonin gegen Tinnitus? Was Sie über Ginkgo-Mittel unbedingt wissen sollten

von | 16. 04. 2018

Sicher fragen Sie sich gerade: Gibt es ein Medikament gegen Ohrgeräusche?

Verspricht eine Ginkgo-Arznei wie Tebonin, Ginkobil oder Gingium Besserung? Diesen Eindruck erwecken ja die Hersteller mit offensiver Werbung und geschickter PR.

Die Realität sieht allerdings – leider – anders aus. Alle großen wissenschaftlichen Studien der letzten Jahrzehnte haben ein Ergebnis: Ginkgo-Präparate haben bei Tinnitus keine Wirkung.

Warum aber berichten manche Menschen trotzdem von „guten Erfahrungen“ mit Tebonin und Co.? Warum wird es von manchen Ärzten noch immer empfohlen?

Unser großer, unabhängiger Ginkgo-Ratgeber liefert Ihnen hier das GANZE BILD, erstmals auch mit einem Überblick über die internationale Forschung. Entscheiden Sie am Ende selbst, ob Sie den Fakten glauben wollen – oder den Versprechungen der Pharma-Firmen.

Erfahren Sie jetzt alles über:

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Warum Ginkgo bei Tinnitus helfen soll – und warum es das nicht kann.

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Alle großen wissenschaftlichen Studien, für Sie ausgewertet

ERFAHRUNGEN
So kommt es zu „guten Erfahrungen“ mit Tebonin, Ginkobil oder Gingium. 

ANWENDUNG
Auswahl / Vergleich, Kosten / Preis, Dosierung, Nebenwirkungen

EIN GUTER RAT
Wenn Medikamente bei Ohrgeräuschen nicht helfen, was hilft dann?

Übrigens:

Sie tun sich selbst einen großen Gefallen, wenn Sie diesen Aufklärungs-Artikel lesen und beherzigen. Wir wollen Sie hier schließlich nicht entmutigen, sondern – ganz im Gegenteil – Ihnen helfen.

Das Tragische ist nämlich, dass Tinnitus-Betroffene immer wieder sehr viel wertvolle Zeit verlieren, während sie ihre Hoffung hauptsächlich auf vermeintliche „Tinnitus-Medikamente“ setzen.

Immer wieder verstreichen so wertvolle Tage, Wochen und Monate, in denen sich das Ohrgeräusch verfestigt – und in denen sich die anfängliche Beeinträchtigung durch das Geräusch zu einem Leiden entwickelt.

Stattdessen können Sie mit ganz wenigen, einfachen Maßnahmen aktiv Ihre Genesung befördern.

Warum wird Tinnitus mit Tebonin und Co. behandelt?

Die „medizinische Karriere“ der eigentümlichen Baumart namens Ginkgo Biloba ist ganz erstaunlich:

Seine direkten Vorfahren gab es schon, als noch Dinosaurier über die Erde streiften. Seit mehreren Tausend Jahren wird der Ginkgo-Baum nun in seiner Heimat China in der Traditionellen Chinesischen Medizin genutzt (wie auch viele hundert andere Planzen). 

Dass manche Exemplare über 30 Meter hoch und älter als ein Jahrtausend werden, beeindruckte die Chinesen verständlicherweise und verschaffte dem Ginkgo-Baum einen Ehrenplatz in vielen Tempeln.

Medizinisch verwertet wurden in China vor allem die Wurzeln und Samen des Ginkgo-Baums – verarbeitet zu Pulvern, Tinkturen und Säften, unter anderem zur Stärkung des Herzens, bei Husten und Asthma, Blasenerkrankungen oder Verdauungsproblemen.

Verkaufsschlager Tebonin

Eine ganz neue Zeitrechnung begann für den alten Baum dann im Westen, als der auf Pflanzenmedizin spezialisierte Karlsruher Hersteller Dr. Willmar Schwabe 1965 das erste Ginkgo-Präparat unter dem Markennamen Tebonin auf den Markt brachte.

Tebonin enthält bis heute das sogenannte “Spezialextrakt EGb 761”, das nicht aus den Wurzeln oder Samen, sondern schlicht aus den getrockneten Blättern des Baumes gewonnen wird.

Beworben mit dem Versprechen, Menschen im Alter geistig fit zu halten, Gedächtnis, Konzentration und Lernvermögen zu steigern, wurde das Mittel schnell zu einem Verkaufsschlager.

Andere große Pharma-Hersteller zogen mit ähnlichen Produkten nach. Als in den 80er Jahren dann die Annahme populär wurde, „Ohrensausen“ könnte durch durch Durchblutungsstörungen im Innenohr verursacht sein, eröffnete dies den Ginkgo-Arzneien einen neuen Markt. Mit großem Werbeaufwand wurden diese nun zur Tinnitus-Behandlung angepriesen.

Die erfundene Wirkung

Das lag auf der Hand:

Schließlich beruhte die medizinische Wirkung der Ginkgo-Mittel darauf, dass die Inhaltsstoffe (Ginkgolide und Bilobalide) die Durchblutung fördern, die Sauerstoff- und Blutzuckeraufnahme verbessern und die Regeneration von Nervenzellen unterstützen sollen. Das jedenfalls wollten die Hersteller im Labor herausgefunden haben.

Eine positive Wirkung von Ginkgo wurde vor allem beim akuten (also erst seit Kurzem bestehenden) Tinnitus vermutet. Eben aufgrund der Annahme, dass die Extrakte die Durchblutung im Innenohr verbessern können. Eine bessere Sauerstoffversorgung und Regeneration der empfindlichen Sinneszellen in der Hörschnecke sollte das nervige Ohrgeräusch abschwächen.

So weit, so gut. Da wäre nur ein kleines Problem:

Dass Ohrgeräusche regelmäßig durch Durchblutungsstörungen im Innenohr verursacht werden (und deshalb mit durchblutungsfördernden Mitteln behandelt werden können), ist mittlerweile seit mindestens 15 Jahren widerlegt.

Phantasie-Welt der Pharma-Werbung

Auch wenn viele Ärzte, Autoren und Journalisten die durchaus schlüssige Hypothese von der Durchblutungsstörung zeitweise wie ein Faktum unter die Leute brachten: Es war immer nur eine Annahme, für die es niemals einen einzigen wissenschaftlichen Beleg gab!

Die Hörschnecke ist zwar so unzugänglich und empfindlich, dass sie sich beim lebenden Menschen jeder Untersuchung entzieht. Bei akribischen Untersuchungen an den Innenohren verstorbener Tinnitus-Patienten fanden sich jedoch nie Anzeichen einer Mangeldurchblutung.

Auch kommen typische Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen wie Rauchen, Übergewicht, Diabetes usw. bei Tinnitus-Betroffenen laut Studien nicht häufiger vor als im Durchschnitt der Bevölkerung, teils sogar weniger häufig!

Vor allem aber die frappierende, in unzähligen großen Studien eindeutig erwiesene Wirkungslosigkeit sämtlicher durchblutungsfördernder Medikamente bei Tinnitus machte der Annahme den Garaus.

Kein erstzunehmender Wissenschaftler (und auch kein Arzt, der die Forschung der letzten 20 Jahre verfolgt hat) vertritt heute noch die Hypothese von der Durchblutungsstörung. Bloß in der Phantasie-Welt des Pharma-Marketings lebt diese alte Idee einfach weiter:

„Tebonin fördert die Durchblutung des Innenohrs, verbessert die Verbindung von Nervenzellen und reduziert Ohrgeräusche“, heißt es im aktuellen TV-Werbespot für Tebonin.

Tebonin bei chronischem Tinnitus

Damit nicht genug: Der Tebonin-Hersteller Schwabe verspricht seit einer Weile sogar Abhilfe bei „chronischen“ (also seit mehr als drei Monaten bestehenden) Ohrgeräuschen. Und zwar mit dem Argument, Ginkgo verbessere „die Vernetzung von Nervenzellen und die Signalverarbeitung im Gehirn“.

Damit wird die neurowissenschaftliche Erkenntnis aufgegriffen, dass ein Tinnitus immer erst im Hörzentrum des Gehirns entsteht – und eben nicht in den Ohren, wie früher angenommen wurde.

Mit Tebonin, so die Werbebotschaft weiter, könne die „die Anpassungsfähigkeit des Gehirns verbessert“ werden. Auf diese Weise unterstütze das Mittel erfolgreiche Therapien wie die Tinnitus-Retraining-Therapie, die ein „Verlernen“ des Tinnitus  bewirkt.

Die Tinnitus-Retraining-Therapie, die seit April 2018 erstmals auch in Form eines Selbsthilfe-Programms zugänglich ist, wird in der Tat weltweit sehr erfolgreich eingesetzt.

Dabei lernt das Gehirn, das Ohrgeräusch auszublenden. Im Ergebnis stört der Tinnitus nicht mehr (oder kaum noch), und man überhört ihn die meiste Zeit. Damit schwindet dann alles, was ein Tinnitus-Leiden ausmacht: Schlaf- und Konzentrationsstörungen, die psychische Belastung, Stress und Anspannung, Ängste und Sorgen usw.

Gleichzeitig steigert das Retraining erheblich die Chance, dass der Tinnitus sogar ganz abklingt. Denn es löst die Fixierung auf den Tinnitus auf, die tragischerweise den Tinnitus im Hörzentrum „einbrennt“.

Dass Ginkgo bei diesem heilsamen Vorgang in irgendeiner Weise helfen könnte, ist allerdings wieder einmal nur eine schöne Werbebotschaft aus dem Reich der Phantasie – und durch rein gar nichts belegt.

Machen wir jetzt aber endgültig den Realitäts-Test: Wie schneiden Ginkgo-Mittel à la Tebonin, Gingium und Ginkobil bei großen Studien ab?

Das Urteil der Wissenschaft: die großen Studien

„Tebonin reduziert Ohrgeräusche“? – Zwei oder drei nicht kontrollierte „Studien“ mit ganz wenigen Teilnehmern (und damit ohne jede Aussagekraft) deuteten aus Sicht der Hersteller angeblich einmal darauf hin. Doch alle großen, nach wissenschaftlichen Maßstäben vorgenommenen Studien haben die hochtrabenden Versprechungen immer klar widerlegt.

Der Tenor Dutzender internationaler Studien ist eindeutig: Ginkgo hat bei Tinnitus keinen Effekt. Selbst die Wirkung von Ginkgo bei nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit geht gegen Null.

Keine Wirkung bei Tinnitus

An der bis heute größten Studie (Drew and Davies, 2001) nahmen 978 Teilnehmer mit Tinnitus teil. Bei dieser nach höchsten wissenschaftlichen Standards angelegten  Studie der University of Birmingham nahm die eine Hälfte der Probanden zwölf Wochen lang täglich Ginkgo-Extrakt (LI 1370) ein, die andere Hälfte erhielt ein Placebo, also ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff.

Das Ergebnis: Das Ginkgo-Mittel brachte gegenüber dem Scheinmedikament keinerlei Vorteil, ganz im Gegenteil: Die Placebo-Pillen „wirkten“ sogar ein wenig besser als Ginkgo!

Eine weitere Placebo-kontrollierte Studie (Rejali et. al, 2004) mit Ginkgo-Extrakt (EGb 761) an einer britischen HNO-Klinik kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Das Urteil der Forscher, die zusätzlich noch eine Meta-Analyse von sechs weiteren Studien zur Tinnitus-Behandlung mit Ginkgo vorgenommen hatten: „Ginkgo bringt Tinnitus-Patienten keinen Nutzen.“

Zuletzt kam auch das renommierte Forscher-Netzwerk Cochrane nach einer umfassenden Auswertung (Hilton and Stuart, 2004/2009) aller vorhandenen Studien zu dem Ergebnis: „Die verfügbaren Daten ergeben nicht, dass Ginkgo-Biloba bei Tinnitus wirksam ist.“

Kaum Nutzen auch für Ältere

Doch nicht nur bei Ohrgeräuschen haben sich Tebonin & Co. als Flopp erwiesen, sondern auch in ihrem ursprünglichen Einsatzbereich: der Stärkung der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter.

In einer außergewöhnlich aufwändigen Langzeitstudie (Snitz, Beth u.a., 2009) an sechs US-amerikanischen Uni-Kliniken nahmen mehr als 3000 Senioren im Alter zwischen 72 und 96 Jahren teil, die zu Beginn der Untersuchung geistig noch recht fit waren. Eine Hälfte erhielt sechs Jahre lang täglich die empfohlene Dosis von 240 mg Tebonin (EGb 761), die andere Hälfte zur Kontrolle ein Scheinmedikament.

Das vernichtende Ergebnis: In keinem einzigen Bereich hatte das Ginkgo-Extrakt irgendeinen positiven Einfluß auf den geistigen Alterungsprozess: weder bei der Gedächtnisleistung oder der Sprachfähigkeit, noch beim Konzentrations- oder Reaktionsvermögen!

Eine große Meta-Studie des Forscher-Netzwerks Cochrane (Birks and Grimley Evans, 2007), bei der 36 klinische Ginkgo-Studien ausgewertet wurden, fand ebenfalls „keine überzeugenden Hinweise“ für eine Wirksamkeit von Ginkgo bei nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit.

Ein Team der Berliner Charité (Weinmann et. al, 2010) untersuchte neun Studien mit Ginkgo-Extrakt (EGb 761) bei Patienten mit Alzheimer oder Demenz. Das Urteil: Zwar wirke Ginkgo biloba scheinbar minimal besser als Placebos. „Aber der Grad der Wirksamkeit ist dürftig.“

Trickserei mit „Empfehlungen“

Die Hersteller wissen also längst, dass ihre Ginkgo-Pillen praktisch niemandem nützen. Dass sie die Mittelchen wider besseres Wissen ungebrochen aggressiv bewerben, erscheint reichlich dreist. Die Verbrauchertäuschung geht aber noch viel weiter:

Pharma-Unternehmen wie Schwabe verweisen nämlich immer wieder gern auf Empfehlungen für Ginkgo durch einschlägige Sachverständigen-Kommissionen, insbesondere die sogenannte Phytopharmaka-Kommision E, welche das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bei der Zulassung von Pflanzenmedizin berät.

Eben diese Kommission ist allerdings weithin „für ihre Empfänglichkeit gegenüber Einflussnahme bekannt“, wie das unabhängige Fachinformationsblatt Arznei-Telegramm (1998, Nr. 12, 109-10) feststellte. „Sie ließ seinerzeit die Stoffmonographie [die Beurteilung; Anm. d. Red.] für den Ginkgo-biloba-Blätterextrakt vom Tebonin-Hersteller Schwabe entwerfen.

Das heißt: Der Hersteller selbst verfasste die vermeintliche „Experten-Empfehlung“ seines eigenen Produkts, auf die er sich nun beruft, um seinem Marketing einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich zu geben.

Kritiker bekommen einen Maulkorb

Damit die breite Öffentlichkeit von all dem weiterhin nichts erfährt, versuchen die Hersteller, die Kritik an ihren „Möchtegern-Arzneien“ so weit wie möglich zu unterdrücken.

Bezeichnend ist dieser Fall: Als Tebonin 2006 mit einer massiven Werbekampagne auch in Australien als Mittel gegen Tinnitus auf den Markt gebracht wurde, wollte eine Gruppe unabhängiger Fachleuter – die AusPharm Consumer Health Watch – die Australier warnen und auf die Studienlage hinweisen.

Der Tebonin-Hersteller Schwabe bekam davon Wind, zog vor Gericht und ließ die Veröffentlichung der unabhängigen Verbraucherinformationen per einstweiliger Anordnung stoppen.

Dass die Studienlage Tebonin als nutzlos entlarvte, spielte vor Gericht gar keine Rolle. Vielmehr gelang es Schwabes Anwalts-Armada, die Verbraucherschützer mit abenteuerlichen juristischen Konstruktionen als „Konkurrenz“ hinzustellen und sich dann auf seltsame Regelungen gegen unlauteren Wettbewerb zu beziehen. Wegen der horrenden Kosten des Verfahrens gaben die Verbraucherschützer schließlich klein bei und akzeptierten den Maulkorb.

Eine kleine Bitte: Teilen!

Vielleicht überlegt man im Hause der Hersteller schon, ob man auch gegen uns juristisch vorgehen will.

Schlagen Sie den Pharma-Firmen doch ein Schnippchen, indem Sie diesen akribisch recherchierten Ratgeber-Artikel auf Facebook, Twitter, Google+ oder LinkedIn teilen.

So helfen Sie Ihren Freunden, Bekannten oder Kollegen sehr. Schließlich ist es der Pharmaindustrie mit einer gewieften PR- und Pressearbeit gelungen, die Medien und auch das Internet mit irreführenden (oder schlicht falschen) „Informationen“ über Ginkgo-Mittel zu fluten.

Wahrheitsgemäße, unabhängige Informationen sind bislang kaum zu finden.

Positive Erfahrungsberichte zu Tebonin & Co

Etwas Wichtiges ist aber noch zu klären:

Wenn Ginkgo-Biloba-Extrakte nicht wirken, warum stößt man dann im Netz immer wieder auf Berichte von einzelnen Tinnitus-Betroffenen, die positive Erfahrungen damit gemacht haben wollen?

Wenn Tebonin, Ginkobil oder Gingium – Studien hin, Studien her – zumindest einigen Menschen helfen, sollten Sie es dann nicht doch ausprobieren?

Uns stellt sich aber die Frage:

Sind die „Erfahrungen“ mit Tebonin & Co. echt?

Angesichts von Inhalt und Stil vieler dieser Erfahrungsberichte ist hier zumindest eine gewisse Skepsis angebracht.

Leider gibt es in Deutschland mittlerweile Dutzende große Social-Media-Agenturen, die im Auftrag von Unternehmen gezielt positive Beiträge in sozialen Netzwerken, Internet-Foren und Blogs platzieren. Solche „Fake-Beiträge“ zu verfassen, ist in den Großstädten längst ein gut bezahlter Studentenjob. Zum Teil wird aber auch auf günstiges Personal aus dem Ausland zurückgegriffen, das der deutschen Sprache nicht ganz mächtig ist.

So manche „Erfahrung“ von Ginkgo-Anwendern könnte also Teil solcher Kampagnen sein, die leider bislang vollkommen legal sind – und die sich jedes Unternehmen jederzeit recht günstig kaufen kann.

Das „Vanilleeis-Phänomen“

Zweifellos gibt es aber auch ganz reale Menschen, die glauben, Ginkgo hätte Ihnen geholfen.

Sie haben tatsächlich die Erfahrung gemacht: Während sie Tebonin, Ginkobil oder Gingium einnahmen, ist die Tinnitus-Belastung zurückgegangen oder der Tinnitus sogar abgeklungen.

Sie können hier aber davon ausgehen, dass die Linderung bzw. das Abklingen des Ohrgeräusches nicht durch die Ginkgo-Einnahme bewirkt wurde, sondern bloß zeitlich damit zusammenfiel.

Im Großen Tinnitus-Heilbuch (einem Selbsthilfe-Programm auf dem neuesten Stand von Forschung und Therapie) bezeichnet ich dies als „Vanilleeis-Phänomen“.

Lassen Sie es mich kurz illustrieren:

Gleich morgen könnte ich eine „Studie“ beginnen, bei der 500 Patienten mit einem akuten Tinnitus täglich drei Kugeln Vanilleeis verabreicht bekommen – morgens, mittags, abends. Nach drei Monaten könnte ich dann – garantiert – das spektakuläre Ergebnis verkünden: „Vanilleeis heilt Tinnitus!

Denn ein gewisser Teil der Probanden hätte mit Sicherheit den Tinnitus verloren. Und bei denen, die das Geräusch noch hören, wäre die Belastung in den meisten Fällen zumindest ein Stückweit zurückgegangen.

Die Sache ist bloß: Genau das gleiche hätten auch Gummibärchen „bewirkt“ – oder eben Ginkgo!

Denn Fakt ist: Selbst ohne jede Behandlung oder Therapie klingt ein aktuter Tinnitus innerhalb der ersten Tage, Wochen oder Monate in der Mehrheit der Fälle wieder ab. Wenn der Tinnitus aber bestehen bleibt, nimmt die Beeinträchtigung durch das Geräusch meist mit der Zeit ab.

Warum empfehlen Ärzte Ginkgo?

Genau das ist wohl auch der Hauptgrund, warum heute immer noch zahlreiche HNO-Ärzte ihren Patienten Tebonin & Co. empfehlen. Auf diese Weise können Sie die „lästigen“ Tinnitus-Patienten erst einmal loswerden und ihnen eine Art Scheinbehandlung vorgaukeln.

Und am Ende kann dann immerhin ein Teil der Patienten (all diejenigen, bei denen das Ohrgeräusch wieder verschwindet oder eine Linderung eintritt) den Eindruck haben, der Arzt hätte geholfen.

Aus der Sicht einiger Mediziner ist das offenbar besser, als die Wahrheit zu sagen, die lauten müsste: „Tut mir leid, gegen Ohrgeräusche gibt es leider kein Medikament, jedenfalls keines, das hilft.“

Anwendung und Kosten von Ginkgo bei Tinnitus

Wer trotzdem sein Glück mit Ginkgo versuchen möchte, sollte unbedingt die als Arzneimittel zugelassenen Ginkgo-Trockenblätterextrakte aus der Apotheke verwenden. (Nicht, weil sie besser wirken, sondern weil hier das Risiko von Nebenwirkungen geringer ist.) Als Filmtabletten gebräuchlich sind vor allem die drei besagten Produkte:

  • Tebonin 120 mg bei Ohrgeräuschen (Schwabe)
  • Ginkobil 120 mg (Ratiopharm)
  • Gingium intens 120 mg (Hexal)

Tebonin und Ginkobil sind praktisch identisch. Beide enthalten auf das Zehntel Mikrogramm genau die gleichen Mengen von Wirkstoffen (wie Ginkgolide und Bilobalide) und auch die gleichen Obergrenzen für die unerwünschten Stoffe aus den Ginkgo-Blättern.

Als Dosis bei Tinnitus werden von den Herstellern übereinstimmend ein bis zwei Filmtabletten (je 120 mg) täglich empfohlen

Für Tebonin und Ginkobil wird laut Packungsbeilage bei Tinnitus eine Einnahme „über einen Zeitraum von mindestens 12 Wochen“ empfohlen. Sollte nach sechs Monaten kein Erfolg eingetreten sein, „ist dieser auch bei längerer Einnahme nicht mehr zu erwarten“, heißt es wortgleich.

Das kosten Tebonin & Co

Auf Rezept gibt es Ginkgo bei Tinnitus nicht. Weil sich durchblutungsfördernde Mittel generell in der Tinnitus-Therapie als unwirksam erwiesen haben, übernehmen die Krankenkassen dafür schon seit vielen Jahren die Kosten nicht mehr.

Eine Monatspackung „Tebonin 120 mg bei Ohrgeräuschen“ oder „Ginkobil ratiopharm 120 mg“ (je 60 Filmtabletten) kostet im Versandhandel rund 40, in der Apotheke rund 50 Euro.

Eine dreimonatige Einnahme von zwei Tabletten täglich würde Sie also etwa 120 bis 150 Euro kosten. 

Gibt es Nebenwirkungen?

Bei den als Arzneimittel zugelassenen Ginkgo-Präparaten aus der Apotheke werden giftige Bestandteile der Blätter bei der Herstellung auf ein Minimum reduziert. Das Risiko von Nebenwirkungen ist dadurch relativ gering – anders als bei der unkontrollierten Anwendung von Ginkgo als Tee oder Nahrungsergänzungsmittel.

Die gefährlichste Nebenwirkung von Ginkgo-Extrakten wie Tebonin ist laut Packungsbeilage ein erhöhtes Risiko innerer Blutungen. Daher sollen die Arzneien auch nicht von Schwangeren oder vor Operationen eingenommen werden.

Daneben kann es zu leichten Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel oder zur Verstärkung bereits bestehender Schwindelbeschwerden sowie zu allergischen Reaktionen kommen.

Ein guter Rat: Tun, was wirklich hilft

Nach alledem stellt sich jetzt natürlich die Frage: Was hilft wirklich gegen Ihren Tinnitus?

Wenn Medikamente nichts bewirken können und der Arzt keine organische Erkrankung als mögliche Tinnitus-Ursache findet, die er behandeln kann: Was sollen Sie tun?

Die Antwort lautet: Mehr als alle Ginkgo-Pillen der Welt helfen Ihnen mit größter Wahrscheinlichkeit wenige, ganz einfache Maßnahmen, die Sie selbst vornehmen können:

Stille meiden

Lenken Sie sich möglichst durchgehend akustisch vom Ohrgeräusch ablenken, am besten mit schöner Musik, entspannenden Naturgeräuschen oder neutralem „weißen Rauschen“.

So entziehen Sie dem Tinnitus Aufmerksamkeit, beruhigen Ihr Nervensystem und bringen Ihr Hörsystem zurück ins Gleichgewicht

Falls Sie stark auf den Tinnitus fixiert sind bzw. falls Sie sich vom Tinnitus sehr beeinträchtigt fühlen, sollten Sie bereits in der Akutphase ein Tinnitus-Retraining einleiten. Dabei werden Klänge ganz gezielt eingesetzt, um den Tinnitus zu „verlernen“.

Stress abbauen und entspannen

Auch dies ist ungeheuer wichtig: Bauen Sie Stress ab und entspannen Sie sich systematisch.

Die neurowissenschaftliche Forschung hat ergeben: Stress ist in den meisten Fällen die entscheidende Ursache für Tinnitus, oft sogar die einzige! Denn Stress erhöht ganz erheblich die „Verstärkung“ im Hörsystem des Gehirns, wodurch Tinnitus-Signale überhaupt erst wahrgenommen werden.

Ist der Tinnitus dann da, verhindert ein körperlicher und psychischer „Alarm-Zustand“, dass das Geräusch abklingen kann. Stattdessen verfestigt die „Stressreaktion“ den Tinnitus.

Die beste Anti-Stress-Maßnahme bei einem Tinnitus ist: regelmäßige Bewegung bzw. leichter Sport oder einfache Entspannungsübungen (Yoga, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung) machen.

Daneben kann es sehr hilfreich sein, gezielt ständige Quellen von negativem, belastendem Stress im eigenen Leben ausfindig zu machen und nach Möglichkeit aufzulösen.

Aufmerksamkeitsumlenkung

Der Tinnitus wird im Hörzentrum des Gehirns durch „Rückkopplungen“ aufrechterhalten und verfestigt, die sich vor allem aus der Alarmreaktion und der Aufmerksamkeit für den Tinnitus speisen.

Im Klartext bedeutet das: Je mehr Sie sich auf den Tinnitus fixieren, je gestresster Sie auf das Geräusch reagieren, desto mehr setzt sich das Geräusch fest.

Andersherum gilt: Je weniger Sie den Tinnitus beachten, je mehr Sie sich entspannen, desto eher löst sich der Tinnitus wieder auf.

Ganz wichtig ist deshalb auch dieser Rat:

Lenken Sie sich ab. Bleiben Sie aktiv. Gehen Sie unter Menschen. Ziehen Sie sich nicht zurück. Tun Sie sich Gutes. Alles Angenehme, Wohltuende, Gesellige oder Entspannende ist gut.

Gewusst, wie!

Falls Sie Ihre Tinnitus-Heilung ganz systematisch angehen wollen, sei Ihnen Das Große Tinnitus-Heilbuch ans Herz gelegt. Es bündelt die erwiesenermaßen wirksamsten Heilungsstrategien zu einem optimalen Selbsthilfe-Programm.

Das Buch beschreibt das Phänomen Tinnitus und den Heilungsweg auf neuartige, beispiellos hilfreiche Weise – ganz anschaulich und auf dem aktuellen Stand von Forschung und Therapie.

So können Sie sowohl das Problem als auch die Lösung des Problems sehr gut verstehen – und dann Schritt für Schritt die in Ihrem Fall richtigen Maßnahmen einleiten.

Ich wünsche Ihnen jetzt schon eine baldige Genesung.

JS

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ÜBER DEN AUTOR

Jan Staiger

Der Berliner Gesundheitsberater und Stressmanagement-Trainer wurde vom Tinnitus-Betroffenen zum erfolgreichen Selbsthilfe-Coach. Sein hochwirksamer integraler Behandlungsansatz basiert auf dem neuesten Stand von Forschung und Therapie. 

Der engagierte Tinnitus-Experte verrät, was wirklich hilft – und was nicht. Dank einer jahrelangen Auswertung der internationalen Forschung und der therapeutischen Praxis führender Tinnitus-Kliniken weltweit konnte er bereits Tausenden Menschen in persönlicher Beratung zu einem vom Ohrgeräusch ungetrübten Leben verhelfen.  

Im Frühjahr 2018 erschien sein bahnbrechender Selbsthilfe-Ratgeber "Das Große Tinnitus-Heilbuch".

Als erfahrener Journalist (Dipl.-Med.-wiss., mit langjährigen Tätigkeiten u.a. für das ZDF, n-tv und die Nachrichtenagentur ddp) steht J. Staiger für klar verständliche, absolut verlässliche Inhalte. Als umfassend ausgebildeter Practitioner des "Neuro-Linguistischen Programmierens" (NLP) versteht er es zugleich, mit den Mitteln der Sprache tiefgreifende positive Veränderungen von Wahrnehmung, Denken und Verhalten anzuregen.

Der Artikel auf dieser Seite wurde zuerst veröffentlicht im Dezember 2016 und vollständig überarbeitet im Mai 2018. Es gelten die Urheberrechtshinweise in den AGB.

Quellen (Auszug):

FOTOS: Titel © Johnny McClung / Unsplash; Anatomie des Ohres: ilusmedical / Shutterstock; Andere: Unsplash, Pixabay

Über uns

Auf TinnitusHeilen.de informieren wir Sie auf dem neuesten Stand von Forschung und Therapie rund um das Thema Ohrgeräusche. Unabhängig, seriös und immer angetrieben von dem Wunsch, Ihnen wirklich zu helfen.

Exklusiv bei uns ist seit Mai 2018 auch der bahnbrechende Selbsthilfe-Ratgeber "Das Große Tinnitus-Heilbuch" erhältlich. Sie erfahren darin, wie Sie das Tinnitus-Leiden gezielt überwinden und zugleich Ihre Chance maximieren, dass das Ohrgeräusch wieder ganz abklingt.

Ziel unserer Arbeit ist Heilung im Sinne eines vom Tinnitus unbeeinträchtigten Lebens. Indem das Geräusch entweder verschwindet oder aber unwichtig wird und nicht mehr stört  – weshalb man es dann überhört.

Therapeutische Klänge

  1. Meeresrauschen
  2. Wildbach
  3. Weißes Rauschen
  4. Sommerregen
  5. Singvögel

Von der schnellen Ablenkung und Entspannung über die Verbesserung von Schlaf und Konzentration bis zu einem hochwirksamen Tinnitus-Retraining:

Die 30 extra-sanften Klänge von EarnoiseCare wurden eigens für die gezielte Tinnitus-Behandlung entwickelt und helfen fast jedem Betroffenen enorm.