Tinnitus-Noiser und -Masker: Zeitgemäße Alternativen zur Behandlung von Ohrgeräuschen

28. Apr 2017

Spezielle „Tinnitus-Noiser“ oder „Masker“ (also einem Hörgerät ähnliche „Rauschgeräte“) sind heute zur Tinnitus-Behandlung so zwingend notwendig wie Schallplatten oder Kassetten zum Musikhören. Ob zur gezielten Ablenkung und Entspannung oder für ein wirksames Tinnitus-Retraining: Komfortable kabellose Ohrhörer und Lautsprecher machen die gezielte Tinnitus-Therapie heute einfacher denn je – auf der Stelle und endlich für Jedermann erschwinglich.

Bei jedem Tinnitus gilt: Je mehr Aufmerksamkeit man dem Geräusch widmet, desto mehr stört es auch, desto mehr prägt es sich im Hörzentrum des Gehirns ein. Eine systematische akustische Ablenkung ist daher immer ein wichtiger Schlüssel zur Genesung.

Heilung durch Retraining

Eine Überdeckung („Maskierung“) des Tinnitus durch entspannende Klänge der Natur oder ein neutrales Rauschen wirkt sehr entspannend und beugt gerade in der Akutphase der ersten Wochen einer „Fixierung“ auf den Tinnitus vor.

Das ist sehr wichtig, denn solange Sie dem Ohrgeräusch Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit widmen, ist es praktisch ausgeschlossen, dass es abklingt oder verschwindet.

Die auf tiefgreifenden neurowissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) nutzt Geräusche für einen systematischen Heilungsprozess. Das Prinzip ist ganz einfach: Mit angenehmen Naturgeräuschen oder einem „weißen Rauschen“ wird der Tinnitus – in einem bestimmten Verhältnis nur teilweise – verdeckt.

Das bringt das Gehirn dazu, den Tinnitus immer mehr auszublenden. Der Tinnitus wird dann bald „verlernt“, also weitgehend überhört, ohne zu stören, oder er verschwindet ganz.

Beides – sowohl das heilsame Tinnitus-Retraining als auch eine einfache entspannende Maskierung – lässt sich heute wunderbar mit einfachen Ohrhörern, Kopfhörern oder portablen Mini-Lautsprechern vornehmen, auch kabellos via Bluetooth.

Alles, was Sie dazu brauchen, sind die therapeutischen EarnoiseCare-Retraining-Klänge, die Sie komfortabel von jedem Smartphone, MP3-Player, Tablet oder Laptop abspielen können, und mein Heilbuch.

Leider ist es im deutschsprachigen Raum einer Art „Kartell“ aus HNO-Ärzten und Hörgeräteakustikern gelungen, den Eindruck zu erwecken, dass für ein Retraining spezielle Geräte – die sogenannten „Tinnitus-Noiser“ beziehungsweise „Tinnitus-Masker“ – erforderlich sind.

Das ist aber Unsinn. Ein Unsinn, der leider eine völlig unnötige Hürde aufbaut und wesentlich dazu beiträgt, dass der extrem erfolgreiche und im Grunde genial einfache Heilungsweg des Retrainings hauptsächlich „schwer leidenden“ Privatpatienten zugute kommt.

Dabei kann das Retraining jedem helfen, zum Beispiel auch dann, wenn der Tinnitus erst seit Kurzem besteht oder nur mäßig stört.

Tinnitus-Retraining sofort

„Die Tinnitus-Retraining-Therapie schließt immer eine Klangtherapie ein, spezielle Geräte sind dafür aber nicht unbedingt erforderlich.“

„Entscheidend ist die Nutzung geeigneter Klänge, nicht die Nutzung bestimmter technischer Hilfsmittel.“

„Was zählt, ist der Klang an sich. Mit welcher Methode oder welchem Gerät er erzeugt wird, ist nicht wichtig.“

Diese Zitate stammen von niemand geringerem als von den Vätern der Tinnitus-Retraining-Therapie: von dem US-amerikanischen Neurophysiologen Pawel J. Jastreboff von der Elite-Universität Yale und dem renommierten britischen Hörforscher Jonathan W.P. Hazell.

Beide haben immer wieder betont, dass es beim Retraining überhaupt nicht auf die Nutzung bestimmer Geräte ankommt, sondern allein darauf, dass man geeignete Klänge auf die richtige Weise nutzt!

Zeitgemäße Alternativen

Im Folgenden stelle ich Ihnen sorgfältig ausgewählte Kopfhörer und Lautsprecher vor, die perfekt für das Tinnitus-Retraining geeignet sind. (Sie können aber auch vorhandene Geräte nutzen.) So können schon morgen mit Ihrer persönlichen Tinnitus-Retraining-Therapie beginnen. 

Diesen mit Abstand wirksamsten aller Tinnitus-Heilungswege endlich allen Betroffenen zugänglich zu machen, ist eines meiner wichtigsten Anliegen.

Das Retraining mit ganz gewöhnlichen Ohrhörer oder portablen Lautsprechern bietet sogar viele Vorteile. Ganz abgesehen von den geringen Kosten und sofortigen Verfügbarkeit steht Ihnen damit nicht zuletzt eine viel größere Auswahl an Klängen zur Verfügung – insbesondere die vielen, speziell für das Tinnitus-Retraining angefertigten, unvergleichlich sanften Naturgeräusche von EarnoiseCare.

Dagegen geben die vom Hörgeräteakustiker angefertigten Noiser/Masker-Geräte in der Regel nur ein einziges Rauschen von sich.

Und das, obwohl die Väter des Tinnitus-Retrainings, Jastreboff und Hazell, immer wieder betont haben, dass entspannende Naturgeräusche (vor allem die des Wassers) viel besser für das Retraining geeignet sind als ein kaltes Rauschen. (Auch die Retraining-Klänge von EarnoiseCare beinhalten aber besonders schöne Varianten von weißem Rauschen.)

Kabellose Kopf- und Ohrhörer

Kabellose Kopfhörer sind nicht unbedingt notwendig. Sie machen das Tinnitus-Retraining lediglich besonders komfortabel. Die „Kopplung“ mit dem Smartphone, MP3-Player, Tablet oder Laptop ist kinderleicht eingerichtet. Danach steht die Verbindung jedes Mal automatisch, sobald man die Kopfhörer einschaltet.

Dann kann man sich frei im Raum bewegen, in der Regel im Umkreis von 10 bis 15 Metern um das Abspielgerät herum.

Möglichst offen

Bitte achten Sie darauf, für die Tinnitus-Behandlung möglichst sogenannte offene Kopfhörer zu verwenden. Diese sind im Gegensatz zur geschlossenen Konstruktionsweise akustisch nicht abgedichtet, sodass Umgebungsgeräusche praktisch nicht gedämpft werden.

Offene Kopfhörer klingen prinzipiell besser als geschlossene, nämlich luftiger, transparenter und natürlicher – während geschlossene Modelle den Klang eher verfälschen.

Leider sind in den vergangenen Jahren immer mehr geschlossene Kopfhörer auf den Markt gekommen, die obendrein Umgebungsgeräusche noch durch ein aktives „Noise Cancelling“ minimieren.

Bei der Tinnitus-Behandlung ist es aber nicht ratsam, das Ohr zu „verschließen“. Gerade ein längeres Retraining sollte ganz „beiläufig“ erfolgen und die alltäglichen Aktivitäten so wenig wie möglich beeinträchtigen. Dazu gehört, dass man außer den verwendeten Maskierungs-Klängen auch die gewöhnlichen kleinen und großen Geräusche seiner Umgebung noch gut wahrnehmen kann.

Mit den hier empfohlenen Modellen können Sie das Tinnitus-Retraining betreiben und problemlos gleichzeitig zum Beispiel Fernsehen gucken, eine Gespräch führen oder am Straßenverkehr teilnehmen.

Sony SBH70

In Punkto Preis-Leistung fast unschlagbar sind die Bluetooth-Ohrhörer Sony SBH70. Sie sind schick, sehr leicht und bieten eine wirklich gute Klangqualität. 

Zugleich zählen die Sony SBH70 zu den wenigen Bluetooth-Kopfhörern in quasi offener Bauweise. Das heißt, sie werden nicht wie „In-Ear-Kopfhörer“ in den Gehörgang gesteckt, sondern sitzen (als sogenannte „Earbuds“) relativ locker in der Ohrmuschel, sodass sie Umgebungsgeräusche wenig dämpfen.

Apple Airpods

Deutlich teurer sind die neuen Apple Airpods, die sich allerdings – gerade im Verbindung mit einem iPhone oder iPad – durch außergewöhnlichen Komfort auszeichnen. Zum Beispiel halten die Airpods automatisch die Wiedergabe an, wenn man sie aus dem Ohr nimmt.

Bei einem einseitigen Tinnitus kann auch nur ein Airpod verwendet werden (auch wenn bei einem längeren Retraining meist ein beidseitiger Betrieb empfohlen wird). Die Airpods lassen sich problemlos auch mit Nicht-Apple-Geräten (wie Android-Handys) nutzen.

Sony MBH60

Der kleine, Ohr-aufliegende Bügelkopfhörer Sony MBH60 ist extrem leicht, wohlklingend und mit seiner halb-offenen Konstruktion immer noch sehr gut für ein längeres Tinnitus-Retraining geeignet.

Die Besonderheit: Der MBH60 funktioniert sehr einfach und zuverlässig per Bluetooth, er kann aber jederzeit auch per Kabel mit dem Abspielgerät verbunden werden. Ein guter Allround-Kopfhörer für kleines Geld. 

Beats X by Dr Dre

Grundsätzlich sind In-Ear-Kopfhörer für ein längeres Retraining nicht ideal, da sie Umgebungsgeräusche etwas stärker dämpfen als offene Kopfhörer. Da die Verwendung offener Kopfhörer aber kein Dogma ist, seien hier auch die grandiosen Beats X vorgestellt.

Die sehr weichen Silikon-Ohrstücke (mitgeliefert in vier Größen) geben einem nicht das Gefühl eines zugestöpselten Ohrs. Und der Bedienkomfort dieser filigranen technischen Meisterwerke ist einzigartig.

Am Ende des Tages zählt, dass Sie sich mit den Kopfhörern, egal welche Sie nutzen, auch wohl fühlen. Vor allem zählt, dass Sie das Retraining für eine Weile konsequent betreiben. Welche Geräte Sie dafür nutzen, ist – wie Jastreboff und Hazell so oft betont haben – letztlich egal.

Kabelgebundene Kopf- und Ohrhörer

Sennheiser PX 100-II

Der günstige kleine Sennheiser PX 100-II ist ein federleichter, faltbarer „Immer-dabei-Kopfhörer“. Er klingt angenehm „luftig“ und natürlich und eignet sich auch für das Tinnitus-Retraining zuhause sehr gut. Mit seinem besonders offenen Design werden Umgebungsgeräusche praktisch nicht gedämpft. 

Ausnahmsweise möchte ich hier trotzdem auch die geschlossene Variante empfehlen, den Sennheiser PX-200 II, der seit Jahren mein persönlicher Lieblingskopfhörer ist, wenn ich in der Stadt unterwegs bin und den Trubel auf der Straße oder in der U-Bahn doch etwas abschirmen möchte. 

AKG K 701

Ein ganz besonders bequemer, das Ohr umschließender Kopfhörer der Spitzenklasse ist der AKG K 701. Sein wunderbar unverfälschtes, fein auflösendes und räumliches Klangbild ist ein echter Genuss. 

Auch wenn ein High-End-Sound für die Tinnitus-Therapie gar nicht nötig ist, klingen auch die hochwertigen EarnoiseCare-Klänge mit einem solchen Kopfhörer ganz besonders schön. Wer einen erstklassigen Kopfhörer auch für das Musikhören daheim sucht, liegt hier richtig. 

Apple Earpods

Diese Art Ohrhörer (auch „Earbuds“ genannt) sind Klassiker, die es sehr günstig von vielen Herstellern gibt. Die Apple Earpods sind eine besonders gut sitzende und gut klingende Variante – keine Offenbarung beim Musikhören, aber für das Tinnitus-Retraining bestens geeignet.

Weil die „Originale“ auf Amazon oder Ebay meist minderwertige Fälschungen sind, bezieht man die Earpods besser bei Apple oder im Elektronikfachhandel. Es gibt sie mit gewöhnlichem Klinkenstecker (nutzbar auch mit Nicht-Apple-Geräten) und mit Lightning-Anschluss (für neuere iPhones/iPads). Eine Alternative für Apple-Hasser sind die Sony STH30.

Portable Lautsprecher

Als ideale Ergänzung zu Kopfhörern empfehle ich kleine, portable Bluetooth-Lautsprecher. Diese sind kinderleicht zu bedienen und finden Platz auf jedem Schreibtisch, Wohnzimmertisch oder Nachttisch.

Portable Lautsprecher eignen sich wunderbar, um mit entspannenden Geräuschen leichter einzuschlafen und obendrein im Schlaf das Tinnitus-Retraining und damit die Heilung voranzutreiben. Die Geräte sind auch eine gute Hilfe bei Entspannungsübungen (wie Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung). Im Prinzip kann die Tinnitus-Behandlung sogar vollständig mit Lautsprechern erfolgen.

in Kombination mit einem Smartphone, MP3-Player oder Tablet ersetzen portable Lautsprecher die früher häufig von Ärzten empfohlenen „Tabletop Sound Machines“: kleine, hässliche Lautsprecherkästchen, die eine Handvoll fest gespeicherter Maskierungsgeräusche in meist unterirdischer Qualität abspielten. Auch wenn diese Relikte der 80er Jahre teilweise noch immer angeboten werden, haben Sie doch seit Langem ausgedient.

Das Angebot an kabellosen Lautsprechern ist riesig. Ordentliche Geräte gibt es schon ab 30 bis 40 Euro. Im folgenden empfehle ich Ihnen einige besonders gute Modelle, mit denen ich persönlich beste Erfahrungen gemacht habe.

Natürlich eignen sich die Lautsprecher – jenseits der Tinnitus-Behandlung – auch hervorragend zum Abspielen von Musik oder Hörbüchern, ob im Badezimmer oder auf dem Balkon, bei der nächsten Grillparty oder im Park. Mit der entsprechenden App können Sie damit auch Radio hören.

JBL Flip

Der kleine JBL Flip ist, ebenso wie der etwas größere JBL Charge, ein sehr schöner, wertiger Bluetooth-Lautsprecher. Er liefert ein überzeugendes Klangbild sowohl für das Tinnitus-Retraining als auch zum Musikhören.

Der in vielen Farben erhältliche JBL Flip kann dank seiner „Dosenform“ sowohl senkrecht als auch waagerecht aufgestellt werden. Er ist sehr robust und sogar wasserdicht.

Bose SoundLink Mini

Der etwas höherpreisige Bose SoundLink Mini 2 ist ohne jeden Zweifel der beste Bluetooth-Lautsprecher für anspruchsvolle Hörer. Die kleine Box ist relativ schwer, liefert aber dank einer einzigartigen Konstruktionsweise ein wirklich beeindruckendes Klangerlebnis.

Der kleine SoundLink Mini liefert kräftige, klare Bässe, wie man sie für ein Gerät dieser Größe nicht für möglich hält. Für das Tinnitus-Retraining ist diese Eigenschaft zweitrangig. Wer die Box aber auch zum Musikhören nutzen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten.

Denon Envaya

Auch der Denon Envaya eignet sich gleichermaßen für das Tinnitus-Retraining und zum Musikhören. Dieser Bluetooth-Lautsprecher ist relativ groß, dafür aber sehr flach.

Der Denon Envaya zeichnet sich durch eine einfache Bedienung und ein sehr schön ausgewogenes und räumliches Klangbild aus.

JBL Go Ultra

Wie bei den Kopfhörern gilt auch bei portablen Lautsprechern: Es ist überhaupt nicht nötig, tief in die Tasche zu greifen. Auch günstige Modelle ermöglichen Ihnen ein wirksames Tinnitus-Retraining. Beispielhaft ist der JBL Go Ultra, ein winziges Kästchen, das in die Hosentasche passt.

Ein Nachteil der kleinen Geräte ist meist eine relativ kurze Akku-Laufzeit. So muss der JBL Go Ultra nach rund vier Stunden wieder aufgeladen werden, während die vorgenannten Lautsprecher acht bis zehn Stunden lang durchhalten.

Beim stationären Betrieb, etwa auf dem Schreibtisch oder Nachttisch, spielt die Akku-Laufzeit aber keine Rolle. Dann können Sie die Lautsprecher beliebig lange am Netzteil betreiben.

Alle Lautsprecher, die ich hier empfehle, verfügen auch über einen analogen Eingang, sodass Sie Ihr Smartphone oder Ihren MP3-Player jederzeit auch mit einem handelsüblichen Mini-Klinken-Kabel verbinden können.

Einfach anfangen

Tipp: Probieren Sie die Kopfhörer oder Lautsprecher ganz risikolos in Ruhe aus, indem Sie sie bei Amazon bestellen. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, können Sie sie dann innerhalb von vier Wochen problemlos zurückgeben.  (Das ist bei Amazon selbst dann kein Problem, wenn die Geräte deutliche Gebrauchsspuren haben.)

Mit den hier empfohlenen Geräten fällt ist eine Klangtherapie besonders leicht. Selbstverständlich können aber auch, zumal für den Einstieg, Ihre vorhandenen, älteren Geräte nutzen. Grundsätzlich wäre ein wirksames Tinnitus-Retraining sogar mit einigermaßen guten Laptop- oder Tablet-Lautsprechern möglich. Der heilsame Effekt ist stets der gleiche. 

Nochmals: Letztlich kommt es überhaupt nicht auf die verwendeten Geräte an, sondern nur darauf, dass Sie die richtigen Klänge auf die richtige Weise nutzen.

Mit den besten Wünschen
J. Staiger