Kaffee-Genuss trotz Tinnitus: Keine Angst vor Koffein!

Das Gerücht kursiert seit Jahrzehnten: Wenn man einen Tinnitus bekommen hat, sollte man besser auf Kaffee verzichten. Wie schade, wenn man den Geruch von frischem Filterkaffee zum Frühstück liebt! Oder einen guten Espresso nach dem Abendessen.

Zum Glück gibt es hier für Sie Entwarnung. Denn die jüngere Forschung hat erwiesen, dass sich Koffein überhaupt nicht negativ auf Ohrgeräusche auswirkt – im Gegenteil.

Sie erfahren in diesem Artikel,

  • dass viel Koffein das Risiko, einen Tinnitus zu bekommen, möglicherweise sogar senkt.
  • warum der Verzicht auf den gewohnten Kaffee bei Tinnitus sogar schaden kann.
  • dass es bei der Genesung von einem störenden Ohrgeräusch immer gut ist, sich Gutes zu tun.

Am Ende dieses Artikels haben Sie auf jeden Fall eine Sorge weniger – und können sich umso besser der Heilung widmen.

Kaffee schadet nicht

Hartnäckig hält sich der Mythos, dass Kaffee (und andere koffeinhaltige Getränke wie schwarzer Tee, Cola oder Energy-Drinks) bei Tinnitus schädlich sind, weil sie das Geräusch verstärken können. Selbst in diversen Büchern vermeintlicher „Experten“ ist dieser Unsinn verbreitet worden – obwohl es dafür niemals irgendeinen wissenschaftlichen Beleg gab.

Schließlich ging vor einigen Jahren das renommierte Zentrum für Hör- und Gleichgewichtsstudien der University of Bristol der Sache nach, mit der allerersten Studie zu diesem Thema überhaupt.

Die britische Universität untersuchte auf sehr aufwändige Weise insgesamt 66 Menschen, die unter einem Ohrgeräusch litten und normalerweise mindestens zwei Tassen Kaffee am Tag tranken.

Der gewohnte Kaffee wurde ihnen dann über einen Monat hinweg teilweise durch entkoffeinierten Kaffee ersetzt. (Die Teilnehmer wussten zwar, dass sie an manchen Tagen koffeinfreien Kaffee erhalten würden. Sie wussten aber nicht, an welchen Tagen das geschehen würde.)

Zwei Muster testete das Forscher-Team:

  1. normaler Koffeinkonsum, gefolgt von längerem „Entzug“.
  2. „Entzug“, gefolgt von der gewohnten Dosis Koffein.

Die Teilnehmer füllten mehrmals einen Fragebogen über den Grad Ihrer aktuellen Beeinträchtigung durch den Tinnitus aus. (Und zwar zu Beginn, nachdem sie zehn Tage lang kein Koffein erhalten hatten und nachdem sie seit zehn Tagen wieder ihre gewohnte Dosis erhielten.) Zweimal täglich führten sie außerdem Buch über verschiedene körperliche und psychische Befindlichkeiten mit Bezug zum Tinnitus bzw. Koffeinentzug.

Kaffee-Verzicht kann Tinnitus verschlimmern

Die Auswertung führte die Wissenschaftler zu einem Ergebnis, das Sie nicht erwartet hatten:

“Es fanden sich keinerlei Hinweise, die Koffeinverzicht als eine therapeutische Maßnahme zur Linderung von Tinnitus rechtfertigen könnten“, resümierte Dr. Lindsay Claire, die die Studie geleitet hatte.

Die Wissenschaftlerin, eine international renommierte experimentelle Psychologin, warnte sogar davor, auf den gewohnten Kaffee zu verzichten, denn: „Die akuten Auswirkungen von Koffeinentzug können das Tinnitus-Leiden sogar verschlimmern.“

Die Kaffee-Abstinenz hatte die Ohrgeräusche der Teilnehmer nicht im Geringsten gelindert. Stattdessen machte der Verzicht den Tinnitus in vielen Fällen – zumindest vorübergehend – sogar schlimmer.

Das Fazit des Forscher-Teams:

Der Verzicht auf Koffein als Maßnahme zur Linderung von Tinnitus sei schlicht „ineffektiv“, ja sogar „potenziell belastend“.

Senkt viel Kaffee das Tinnitus-Risiko?

Noch erstaunlicher ist das Ergebnis einer anderen Studie:

Zur großen Überraschung vieler Experten ergab eine Untersuchung amerikanischer Wissenschaftler, dass regelmäßige hohe Dosen von Koffein das Tinnitus-Risiko offenbar sogar senken!

Ein Forscherteam der University of Western Ontario in Kanada wertete Daten der „Nurses‘ Health Study“ aus, einer groß angelegten Langzeitstudie, bei der 65 000 Frauen im mittleren Alter 18 Jahre lang (1991 bis 2009) Auskunft über ihren Gesundheitszustand und Lebenswandel gaben.

Dabei wurden auch rund 5300 Fälle von Tinnitus erfasst. Seltsamerweise waren die Frauen aber umso weniger anfällig für Tinnitus, je mehr Kaffee sie konsumierten! Frauen, die sehr wenig oder gar keinen Kaffee tranken, bekamen deutlich häufiger ein Ohrgeräusch.

„Der Mechanismus, der dieser Wechselbeziehung zugrunde liegt, ist uns ein Rätsel“, wunderten sich die Wissenschaftler.

Sie hatten das genaue Gegenteil erwartet. Schließlich gilt längst als erwiesen, dass das Entstehen eines Tinnitus sehr häufig mit einem überreizten Nervensystem bzw. einer Überaktivität in der Hörbahn zusammenhängt.

„Koffein stimuliert das zentrale Nervensystem. Und diese körperliche Wirkung hat wohl zu der Annahme geführt, dass es eine Rolle bei der Entstehung von Tinnitus spielt“, erläuterten die kanadischen Forscher.

Dies war allerdings immer nur eine Annahme – die durch die beiden geschilderten Studien jetzt widerlegt ist. 

Kaffee hat also bei Ohrgeräuschen nicht die Wirkung, die etwa Stress hat.

Stress (oder auch eine Geräuschüberempfindlichkeit) verursachen einen Tinnitus tatsächlich in sehr vielen Fällen (mit), durch eine erhöhte „Verstärkung“ im Hörsystem sowie durch eine größere Aufmerksamkeit.

Ein bereits bestehender Tinnitus wiederum wird durch Stress (oder auch eine Geräuschüberempfindlichkeit) verstärkt: Das Ohrgeräusch erscheint lauter, sodass auch die Belastung größter ist.

Kaffee dagegen hat diese Effekte nicht. Weder löst er einen Tinnitus aus, noch macht er einen Tinnitus schlimmer.

Nebenbei bemerkt: Auch der alte Glaube, Kaffee sei generell ungesund, hat sich als großer Irrtum erwiesen. Vielmehr ergab eine ganze Reihe von Studien mittlerweile sogar: Wer Kaffee trinkt, lebt länger! Zuletzt stellte eine 2018 veröffentlichte britische Studie fest: Die Sterblichkeit von älteren Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, ist um 10 Prozent geringer!

Also:

Was sollten Sie persönlich tun?

Verzichten Sie auf Kaffee oder anderes allenfalls dann, wenn Sie persönlich wiederholt den Eindruck haben, dass der Tinnitus dadurch lauter wird. (Dass das im Einzelfall so sein könnte, ist nicht völlig ausgeschlossen, anhand der Studien aber sehr unwahrscheinlich.)

Ansonsten: Genießen Sie Ihren Kaffee oder schwarzen Tee! Lassen Sie sich die Cola schmecken oder – falls Sie das mögen – auch mal einen Energy-Drink.

Haben Sie keine Angst! Es kursieren noch einige andere Empfehlungen zum Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel bei Tinnitus – ohne jegliche Fundierung durch kontrollierte Studien.

Der Verzicht auf Lebensmittel, die Sie mögen und genießen, wird Ihnen im Heilungsprozess aber höchstwahrscheinlich nicht im Geringsten helfen. Die Frage ist allein:

Was tut Ihnen gut? Womit fühlen Sie sich wohl? Denn in Bezug auf die Ernährung gilt hier, was bei einem Tinnitus generell gilt:

Alles, was Ihnen wirklich guttut und was Sie entspannt, wird Ihnen auch in Bezug auf den Tinnitus guttun.

In diesem Sinne kann es ein kleiner Baustein innerhalb eines gezielten Heilungsweges sein, sich gesünder zu ernähren, zum Beispiel weniger Süßigkeiten und Fleisch zu essen, dafür mehr Gemüse und Obst. Aber nur, wenn Sie sich damit wirklich besser fühlen.

Gewusst, wie!

Die entscheidenden, wirklich effektiven Maßnahmen gegen Ohrgeräusche sind allerdings andere.

Falls Sie Ihre Tinnitus-Heilung ganz systematisch angehen wollen, sei Ihnen Das Große Tinnitus-Heilbuch ans Herz gelegt. Es bündelt die erwiesenermaßen wirksamsten Heilungsstrategien zu einem optimalen Selbsthilfe-Programm.

Ich wünsche Ihnen jetzt schon eine zügige Besserung.
JS

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, teilen Sie ihn doch mit Ihren Freunden, Bekannten oder Kollegen! Damit auch sie Bescheid wissen.

ÜBER DEN AUTOR

Jan Staiger

Der Berliner Gesundheitsberater und Stressmanagement-Trainer wurde vom Tinnitus-Betroffenen zum erfolgreichen Selbsthilfe-Coach. Sein hochwirksamer integraler Behandlungsansatz basiert auf dem neuesten Stand von Forschung und Therapie. 

Der engagierte Tinnitus-Experte verrät, was wirklich hilft – und was nicht. Dank einer jahrelangen Auswertung der internationalen Forschung und der therapeutischen Praxis führender Tinnitus-Kliniken weltweit konnte er bereits Tausenden Menschen in persönlicher Beratung zu einem vom Ohrgeräusch ungetrübten Leben verhelfen.  

Im Frühjahr 2018 erschien sein bahnbrechender Selbsthilfe-Ratgeber "Das Große Tinnitus-Heilbuch".

Als erfahrener Journalist (Dipl.-Med.-wiss., mit langjährigen Tätigkeiten u.a. für das ZDF, n-tv und die Nachrichtenagentur ddp) steht J. Staiger für klar verständliche, absolut verlässliche Inhalte. Als umfassend ausgebildeter Practitioner des "Neuro-Linguistischen Programmierens" (NLP) versteht er es zugleich, mit den Mitteln der Sprache tiefgreifende positive Veränderungen von Wahrnehmung, Denken und Verhalten anzuregen.

Der Artikel auf dieser Seite wurde zuerst veröffentlicht am 25. Dezember 2015 und zuletzt überarbeitet am 4. Juli 2018. Es gelten die Urheberrechtshinweise in den AGB!

QUELLEN:  

FOTOS: Titel © Dani Vivanco (Unsplash). Andere: © FlamingoFotografie (Fotolia); John Schnobrich (Unsplash)

Über uns

Auf TinnitusHeilen.de informieren wir Sie auf dem neuesten Stand von Forschung und Therapie rund um das Thema Ohrgeräusche. Unabhängig, seriös und immer angetrieben von dem Wunsch, Ihnen wirklich zu helfen.

Exklusiv bei uns ist seit Mai 2018 auch der bahnbrechende Selbsthilfe-Ratgeber "Das Große Tinnitus-Heilbuch" erhältlich. Sie erfahren darin, wie Sie das Tinnitus-Leiden gezielt überwinden und zugleich Ihre Chance maximieren, dass das Ohrgeräusch wieder ganz abklingt.

Ziel unserer Arbeit ist Heilung im Sinne eines vom Tinnitus unbeeinträchtigten Lebens. Indem das Geräusch entweder verschwindet oder aber unwichtig wird und nicht mehr stört  – weshalb man es dann überhört.

Therapeutische Klänge

  1. Meeresrauschen
  2. Wildbach
  3. Weißes Rauschen
  4. Sommerregen
  5. Singvögel

Von der schnellen Ablenkung und Entspannung über die Verbesserung von Schlaf und Konzentration bis zu einem hochwirksamen Tinnitus-Retraining:

Die 30 extra-sanften Klänge von EarnoiseCare wurden eigens für die gezielte Tinnitus-Behandlung entwickelt und helfen fast jedem Betroffenen enorm.