Die Deutsche Tinnitus-Liga wird 30 – Wir gratulieren zum Geburtstag!

von | 17. 08. 2016

Als große Selbsthilfeorganisation bietet die Deutsche Tinnitus-Liga (DTL) Betroffenen seit 30 Jahren Aufklärung, Beistand und das Gefühl, mit dem Problem nicht allein zu sein. Als Interessenvertretung von Tinnitus-Betroffenen in Politik, Wissenschaft und Gesundheitssystem hat die DTL maßgeblich dazu beigetragen, dass Ohrgeräusche heute ein anerkanntes, recht gut behandelbares Problem sind.

Als einige Betroffene 1986 in Wuppertal die Deutsche Tinnitus-Liga gründeten, fand das Thema Ohrgeräusche noch kaum Beachtung. weder in der Medizin noch in der Öffentlichkeit. Betroffene erhielten von ihren Ärzten damals oft kaum mehr als ein Achselzucken und waren dann auf sich allein gestellt.

Fundierte Informationen über das Phänomen Tinnitus waren vor 30 Jahren kaum erhältlich und wirklich hilfreiche Therapien noch nicht entwickelt. Die Welt war sehr klein, die Möglichkeiten der Ratsuchenden sehr begrenzt, damals, viele Jahre vor dem Durchbruch des Internet.

Als ARD und ZDF 1987 auf Betreiben der DTL die allerersten Sendungen zum Thema Tinnitus ausstrahlten, war das Echo des Publikums gewaltig. Denn schon damals gab es Millionen Betroffene, und der Informationsbedarf war riesig.

„Aus kleinen Anfängen 1986 wurde sehr schnell eine schlagkräftige deutschlandweit agierende Tinnitus-Selbsthilfeorganisation, die die Belange betroffener Menschen aufgenommen und erfolgreich vertreten hat. Nicht nur gegenüber Behörden, sondern auch gegenüber der Politik, und manchmal auch gegenüber der Medizin“,  sagt der heutige DTL-Präsident Volker Albert.

Unter anderem konnte die DTL erreichen, dass Tinnitus heute als eigenständige „Behinderung“ im Sozialrecht anerkannt ist und dass der „Tinnitus-Masker“ (ein wichtiges Instrument in der Tinnitus-Retraining-Therapie) in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen wurde. Zudem engagiert sich die DTL bei der Fortbildung von HNO-Ärzten und unterstützt Forschungsprojekte.

Albert ist also völlig zurecht stolz auf die nicht immer leichte Arbeit, die die DTL als gemeinnütziger Verein heute mit 8 hauptamtlichen MitarbeiterInnen und 280 ehrenamtlichen Helfern bundesweit leistet. Rund 12 000 Mitglieder bilden die Basis.

Im Anschluss an das alljährliche Bad Arolser Tinnitus-Sysmposium feiert die DTL am 24. September 2016 mit einer Festveranstaltung ihr Jubiläum. Wir gratulieren ganz herzlich zum 30-jährigen Bestehen und danken allen in der DTL Engagierten für ihre wertvolle Arbeit!

Über die (leider etwas antiquierte) Website der DTL, www.tinnitus-liga.de, sind einige grundlegende Informationen rund um das Thema Ohrgeräusche abrufbar. Auch können für einen geringen Unkostenbeitrag eine ganze Reihe sehr hilfreicher Informationsbroschüren angefordert werden.

Die DTL bietet zudem einen umfangreichen „Klinik-Wegweiser“ an, mit Kurzprofilen zahlreicher (vor allem privater) Kliniken, die eine stationäre Tinnitus-Behandlung anbieten (15 Euro, für Mitglieder kostenlos).

Die Mitgliedschaft in der DTL kostet jährlich 50 Euro (ermäßigt 25 Euro). Dafür erhält man Zugang zu verschiedenen Service-Leistungen. So haben Mitglieder in einem geschützten „Premium-Bereich“ auf der Website unter anderem Zugriff auf umfangreiche Adress-Listen, zum Beispiel von Anbietern der Tinnitus-Retraining-Therapie, Psychologen, Hörgeräte-Akustikern sowie Schlaf- und Schwindel-Ambulanzen.

Auf der Website www.tinni.net bietet die DTL (leider ebenfalls nur für Mitglieder) die Möglichkeit, anhand der eigenen Postleitzahl nach qualifizierten Ärzten und Therapeuten in seiner Region zu suchen.

Unter dem Dach der DTL sind heute auch bundesweit rund 90 Selbsthilfegruppen organisiert, die Betroffenen in regelmäßigen Treffen einen Austausch ermöglichen. Über die DTL-Website finden Sie Ansprechpartner von Selbsthilfegruppen in Ihrer Region.

HINWEIS: Bei aller Würdigung möchte nicht verhehlen, dass ich – wie auch viele andere Experten – Selbsthilfegruppen eher kritisch gegenüberstehe. Sie bieten die Möglichkeit zur freien Aussprache und zum gegenseitigen Beistand, was vielen Betroffenen natürlich guttut. Allerdings trifft man in Selbsthilfegruppen (ebenso wie in einschlägigen Internet-Foren) eben vorwiegend auf Betroffene, die sehr stark unter ihrem Tinnitus leiden, und das oft schon seit Jahren. Bessere Ratgeber wären sicherlich die vielen, die ihren Tinnitus bald wieder verloren oder Ihr Leiden überwunden haben. Doch diese haben natürlich Besseres zu tun, als sich dann noch in Selbsthilfegruppen weiter mit dem Tinnitus zu beschäftigen. Der Eintritt in eine Selbsthilfegruppe ist also ein zweischneidiges Schwert. Er kann helfen, aber auch schaden.

Viermal im Jahr erscheint die DTL-Mitgliederzeitschrift „Tinnitus-Forum“, in der sich immer wieder sehr interessante Artikel rund um die Tinnitus-Therapie finden. Leider ist Zeitschrift aus meiner Sicht wenig leserfreundlich gestaltet und überfrachtet mit Vereinsinterna.

Für allgemeine Fragen zum Tinnitus oder zur Therapiewahl bietet die DTL ein Beratungstelefon („Betroffene für Betroffene“), das auch Nicht-Mitgliedern offen steht:

Tel.: 0202 / 24652-74

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ÜBER DEN AUTOR

Jan Staiger

Der Berliner Gesundheitsberater und Stressmanagement-Trainer wurde vom Tinnitus-Betroffenen zum erfolgreichen Selbsthilfe-Coach. Sein hochwirksamer integraler Behandlungsansatz basiert auf dem neuesten Stand von Forschung und Therapie. 

Der engagierte Tinnitus-Experte verrät, was wirklich hilft – und was nicht. Dank einer jahrelangen Auswertung der internationalen Forschung und der therapeutischen Praxis führender Tinnitus-Kliniken weltweit konnte er bereits Tausenden Menschen in persönlicher Beratung zu einem vom Ohrgeräusch ungetrübten Leben verhelfen.  

Im Frühjahr 2018 erschien sein bahnbrechender Selbsthilfe-Ratgeber "Das Große Tinnitus-Heilbuch".

Als erfahrener Journalist (Dipl.-Med.-wiss., mit langjährigen Tätigkeiten u.a. für das ZDF, n-tv und die Nachrichtenagentur ddp) steht J. Staiger für klar verständliche, absolut verlässliche Inhalte. Als umfassend ausgebildeter Practitioner des "Neuro-Linguistischen Programmierens" (NLP) versteht er es zugleich, mit den Mitteln der Sprache tiefgreifende positive Veränderungen von Wahrnehmung, Denken und Verhalten anzuregen.

Der Artikel auf dieser Seite wurde zuerst veröffentlicht am 17. August 2016. Es gelten die Urheberrechtshinweise in den AGB!

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